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Sonntag, den 10. Dezember 2006 um 16:09 Uhr
Fragen zur Zukunft der Medieneinkommen und der freiberuflichen Tätigket hat mir die Zeitschrift "Medium-Magazin" für seine Jubiläumsausgabe zum 20-Jährigen gestellt: "Welche Zukunft haben nach Berufsgruppen gestaffelte Tarifverträge, wenn die Gattungen immer mehr verschmelzen? Und welche (wirtschaftlichen) Aussichten haben da freie Journalisten - als Einzelkämpfer oder Journalistengemeinschaften?
 
Hier meine Gedanken dazu, die zusammen mit den Meinungsäußerungen anderer in der Dezemberausgabe 2006 erschienen sind:
 

Die Layouter, Metteure und Setzer sind aus den Druckverlagen seit langem schon verschwunden, so wie die Heizer aus den Lokomotiven. Der Empfangsdienst besorgt jetzt auch die Telefonzentrale, und der Print-Redakteur das Web. Berufsbilder sind ständig in Fluss. Das stellt Tarifvereinbarungen nicht grundsätzlich in Frage, sie können dafür sorgen, dass die Veränderung auf produktive und soziale Weise passiert. Im Falle angestellter Videojournalisten - also kameraführender Redakteure - sucht z.B. ver.di gemeinsam mit dem hessischen und dem saarländischen Rundfunk nach einer einvernehmlichen Lösung. Es wird ein neues Gleichgewicht geben zwischen Generalisten und Spezialisten: Die Zeitungsredakteurin wird nicht allein deshalb zur Internetredakteurin, weil sie im Redaktionssystem auf ein Häkchen klickt, um den Artikel auch im Webauftritt der Zeitung zu platzieren. Wenn sie aber auch die Flash-Animation und das Webspecial zum Thema planen soll, dann braucht sie Freiraum und Fortbildung - gewerkschaftliche Vertretung hilft ihr dabei.

Ob Tarifverträge eine Zukunft haben, das hat weniger mit der Konvergenz der Berufe zu tun als damit, ob die Medienschaffenden bereit sind, sie durchzusetzen - die Arbeitgeber flüchten daraus ja derzeit fast flächendeckend in kleine redaktionelle Tocherunternehmen.

Meine Vision für die freiberuflichen Medienschaffenden ist paradox:
Wenn die „Freien“ agieren wie Unternehmer und wenn sie aufhören, die Medienindustrie mit ihrem von Autorenstolz gestütztem Honorardumping zu subventionieren, geht es ihnen besser. Es sind eher die selbstbewusst handelnden Freien, die Vernetzung und kollektive Interessenvertretung zu ihrer selbstverständlichen unternehmerischen Overhead-Tätigkeit zählen.


Die Spanne zwischen den armen Socken und den angemessen Verdienenden spreizt sich aber weiter.

Wer ausschließlich zu wohlbedacht kalkulierten Mindestbedingungen arbeitet und wer strategisch nutzt, was der Markt braucht, hat gute Chancen.

Denn die Auftragnehmer in den immer kleiner und multifunktionaler werdenden Abteilungen der Medienunternehmen brauchen „Full Service“ von Externen, um überhaupt noch ihren Laden am Laufen halten zu können. Häufig sind es die Freien, die die Maschinerie ölen. Wer vernetzt, schnell und arbeitsteilig arbeitet, kann sich behaupten. Einzelkämpfer hingegen schaffen beispielsweise keine Serienproduktion, die ganze Sendeplätze und Zeitungsrubriken füllt. Und es fällt ihnen schwerer, den Preisverfall durch Mehrfachverwertungen aufzufangen. Andererseits wird die Medienindustrie für handwerklich gediegene Spezialprodukte immer die Zusammenarbeit mit Einzelnen brauchen und suchen.