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15 Jahre nach der Flut: Bangladesch ist noch nicht ger?stet PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, den 23. August 2006 um 10:31 Uhr

"Eine der schlimmsten Katastrophen seit Menschengedenken" – es ist der Tsunami vom 26.Dezember 2004, der dieses Etikett trägt.

Wieder einmal wurde Bangladesch dabei vergessen. Die Tsunami-Welle verlief sich an den Stränden des Landes und richtete dort wenig Schaden an – aber die jüngste Flutkatastrophe Bangladeschs, liegt erst 14 Jahre zurück. Sie war für das Land mindestens so verheerend wie der Tsunami für Aceh/Sumatra.

 

Mit 240 Stundenkilometern Windgeschwindigkeit traf ein Wirbelsturm die Küste nahe Chittagong. Der Zyklon trieb eine sechs Meter hohe Flutwelle weit ins Land hinein. Die Menschen versuchten sich auf Hausdächern und Bäumen vor dem Ertrinken zu retten. Als nach acht Stunden der Sturm nachließ, trieben massenhaft Leichen und Tierkadaver in den Fluten. Die Folgen des Zyklons: gebrochene Deiche, versalzene Brunnen, Felder und Teiche, Trinkwassermangel und Cholera – in der Folge starben noch mehr Menschen. 

138.000 Tote zählte die Regierung später offiziell, aber "die Regierung schätzt solche Zahlen immer herunter, es auch 500.000 gewesen sein", sagt Mofakh-Kharul Islam von der Nichtregierungsorganisation Bangla German Sampreeti (BGS). Hinzu kommen zwei Millionen Obdachlose.


Strand bei Cox Bazar, BangladeschZu viele Menschen sind in Bangladesch darauf angewiesen, in den fruchtbaren Landstrichen nahe der Küste zu leben – dort sind sie hinter unzureichenden Dämmen den alle paar Jahre heran stürzenden Fluten ausgeliefert. Ein Zehntel des Landes liegt unter der Höhe des Meeresspiegels, ein Drittel nur bis zu vier Meter höher als das Meer. Und profitable Shrimpsfelder statt schützender Mangrovenwälder sind auch an Bangladeschs Küsten ein Problem.


BGS ist eine von vielen Hilfsorganisationen, die nach dem Zyklon von 1991 aus anderen Regionen in den Süden von Bangladesch kamen um zu helfen, erst mit Essen, Notunterkünften und medizinischer Versorgung, dann mit Häusern und Unterstützung beim Aufbau einer langfristig sichereren Existenz. Mofakh-Kharul Islam hält die Hilfe der Nichtregierungsorganisationen für effektiver als die der Regierung. Sie bauten zusammen mit den Bewohnern 12.000 Wohnhäuser, sogenannte "Low Cost Houses", die heute noch stehen. Die Regierung hingegen gab den Flutopfern einfach Geld zum Hausbau, 2.500 Taka, die Hälfte der Kosten. Die andere Hälfte konnten die armen Familien nicht aufbringen. Sie gaben den Bauzuschuss fürs tägliche Leben aus - und leben zum großen Teil heute noch in baufälligen Hütten.


Eine Untersuchung stellte lange nach dem Zyklon stellte fest: Wer sich in den ersten Stock eines Betonhauses retten konnte, überlebte den Sturm mit fast hundertprozentiger Sicherheit. Dass Schutzbauten überlebenswichtig ist, war auch 1991 schon lange bekannt. Trotzdem waren nach dem dem verheerenden Zyklon von 1970 , bei dem 500.000 Menschen starben, viel zu wenige Schutzbauten errichtet worden. 2.500 waren in ganz Bangladesch geplant, nur 300 wurden es – und die wurden von privaten Organisationen errichtet, die internationalen Hilfsgelder, die vom Staat ausgegeben wurden, versickerten.

1991 nahmen die Nichtregierungs-Organisationen einen neuen Anlauf. Vier große Schutzbauten aus Beton errichtete allein BGS mit ausländischem Geld auf den großen Inseln vor Cox's Bazar.


Zentrum der Organisation BGSDoch der nächste Zyklon kommt bestimmt, und immer noch sind die Bewohner nicht richtig geschützt. Man schätzt, dass nur 11 Prozent von ihnen einen Schutzraum haben, den sie schnell genug erreichen können. Ein Problem ist das Frühwarnsystem. Derzeit wird zwar mit großem internationalem Aufwand ein Tsunami-Warnsystem errichtet. Ingo Ritz von der deutschen Organisation Netz e.V., die seit langem in Bangladesch aktiv ist, fürchtet aber, dass Sturmflutwarnungen für Bangladesch dabei vernachlässigt werden.


Meteorologen sehen einen Zyklon zwar viel eher kommen als einen Tsunami, aber wie erfahren es die Küstenbewohner schnell genug? 1991 hatten Frauen und Kinder ein höheres Sterberisiko als Männer. Vermutlich erfuhren die Männer bei ihrer Arbeit außerhalb der Häuser eher von dem heranrasenden Wirbelsturm und brachten sich in Sicherheit, während die Frauen und Kinder zuhause ahnungslos blieben.