| Hintergrund: Koreanische Missionare |
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| Samstag, den 16. Februar 2008 um 19:30 Uhr |
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Hintgergrundgespräch mit Prof. Chae Soo-Il.
Es hat keinen Eingang in mein Feature gefunden, ist aber gut zum Verständnis der koreanischen Missionare. Prof. Chae Soo-Il lehrt Missionswissenschaft und Ökumene an der Han-Shin Universität der Presbyterianischen Kirche der ROK. Seine Themen sind ökumenische Bewegung und ökumenische Theologie, die Globalisierung und die Geschichte der Mission Frage: Was ja auffällt: Nach den amerikanischen Missionaren kommen zahlenmäßig direkt die Koreaner. Ein kleines Land, das nur höchstens ein Drittel Christen hat. Trotzdem gehen sie so nach außen mit ihrem Christentum und wollen konvertieren, missionieren, evangelisieren. Was ist da los? Chae Soo-Il: Korea war Missionsland. Zu Beginn hat die Mission eine sehr wichtige Rolle gespielt. für die Aufklärung der Menschen vor der Kolonialzeit, auch während der Kolonialzeit. Die und die Kirche sind aus der amerikanischen Mission entstanden und haben für das Volk sehr Gutes geleistet: Bildungsarbeit, Aufklärungsarbeit. Während der Kolonialzeit haben sie die Unabhängigkeits-Bewegung unterstützt. Es gibt eine Art Schuldgefühl, dass Korea missioniert wurde durch die Missionare und durch die Gnade Gottes. Sie fühlen sich nun verantwortlich, das Evangelium weiter zu geben. Dies ist schon sehr stark im Bewusstsein der Koreanischen Christen verankert. Wenn ich mir die Website von koreanischen Missionsorganisationen anschaue, zum Beispiel KWMA - Korean World Mission Association: Dort sagen sie, wir haben für 2020 das Ziel, 100.000 Missionare zu entsenden und eine Million Teilzeitmissionare und für jeden Missionar 300 Unterstützer in den koreanischen Gemeinden zu haben. Das klingt so, als ob ein Unternehmen sich Ziel setzt. Wie entsteht das. Dieser Eifer... man darf den den Pathos der koreanischen Kirchen für Mission nicht unterschätzen. Aber manchmal ist diese Missionsarbeit sehr eifersüchtig, gerade deshalb, weil sie von einzelnen Gemeinden initiiert und ausgeübt wird. Man sagt, dass der Zeitpunkt, zu dem die Auslandsmission so stark ausgeweitet wurde, sehr stark zusammen hängt damit dass das Wachstum der koreanischen Kirche stagnierte oder sogar zurückgegangen (negativ) ist. Auslandsmission wird als eine Strategie angesehen. Weil die Zahl der koreanischen Christen in Korea zurück geht nach starkem Wachstum und sehr reich gewordenen Kirchen, wollen sie ihre Brücke nach Übersee erweitern im Rahmen der Auslandsmission. Das klingt tatsächlich wie eine Unternehmensstrategie. Ein Unternehmen, das im eigenen Land nicht wachsen kann, wird international. Das ist nicht nur eine ihm ökonomische Sicherung sondern auch eine kirchliche Globalisierung. Mit den finanziellen Ressourcen und vielen Menschen, die gerne bereit sind, im Ausland als Missionare zu arbeiten. Marktwirtschaftliche Schritte und Organisationsmethoden haben zum Wachstum der Koreanischen Kirchen beigetragen. Und diese Methoden werden ganz genau auch so in der Mission verwendet. Ich wusste überhaupt nicht, dass die koreanischen Kirchen jetzt nicht mehr wachsen. Nein, 2006 ist nach Umfragen, die Zahl der von koreanischen evangelischen Christen ganz drastisch zurückgegangen, aber die Zahl der katholischen Kirchen und auch Buddhisten gestiegen. Viele suchen den Grund darin, dass die meisten evangelischen Kirche in in Korea sehr exklusiv sich verhält, also insbesondere im Verhältnis zu anderen Religionen. Kommt das schlecht an? Das kommt sehr schlecht an in der Bevölkerung. Interessanterweise die meisten koreanischen Kirchen durch die amerikanische Mission im 19. Jahrhundert, vor allem durch den Einfluss des so genannten Fundamentalismus muss sehr aggressiv und ausschließlich den anderen Regionen gegenüber sind. Und zwar z.B. mit der biblischen Begründung, es gibt kein Heil außer Jesus Christus. Zweitens akzeptieren die Evangelischen die alten Traditionen der Koreaner nicht, zum Beispiel den Ahnenkult. Hingegen hat sich die katholische Kirche nach dem zweiten Vatikan sich geöffnet, und ist immer bereit, die anderen Religionen und Kulturen zu respektieren, und die Spiritualität der anderen Religionen aufzunehmen. Die Evangelischem nicht. Drittens: Die Pastoren der so genannten „Megachurches“, die ihre Stelle weitergegeben haben an ihre Söhne. Das wurde auch sehr kritisch angesehen. Das entspricht vielleicht auch gar nicht den Koreanern, dass sie plötzlich nicht mehr Schamanismus oder Ahnenkult ausüben sollen oder parallell zum christlichen Glauben mit dem in dem buddhistischen Tempel gehen. Nein. Ich meine, dass wir durch den interreligiösen Dialog voneinander sehr viel lernen können. Toleranz, Verstehen anderer Religionen aber nicht gleich Konvertieren zu anderen Religionen. Dialog ist keine Taktik für die Bekehrung, sondern Dialog ist ein Weg, und gleichzeitig ein Ziel. Gut, aber ein großer Teil der koreanischen Missionare will ja nicht Dialog führen, sondern konvertieren. Sie gehen in Länder, diezu 99 Prozent buddhistisch sind oder 99 Prozent islamisch oder 90 Prozent katholisch und wollen sie konvertieren. Was sagen Sie dazu? (Er stöhnt) Es ist bekannt, wie schwierig es zum Beispiel ist in islamischen Ländern die Menschen zu konvertieren. (Er lacht). Es ist unheimlich schwer oder sogar nicht möglich. Aber ein Feindbild zu haben in der Mission, soziologisch gesehen, das spielt eine entscheidende Rolle, nicht nach außen in sondern nach innen: Dass die Gemeinden dadurch viel stärker zusammen kommen können. Also ist zum Beispiel der Islam ist ein Feindbild der koreanischen konservativen Missionsgesellschaften. Obwohl sie, so viel ich weiß, kaum Erfolg in der Mission in islamischen Ländern haben, setzen sie einiges daran, die Menschen hier in Korea dafür zu mobilisieren. Das ist eine Nebenziel oder sogar vielleicht das Hauptziel der Missionsarbeit. Ich persönlich halte das für sehr negativ. Als Europäer fühlt man sich an alte Zeiten erinnert. Ja, 16. Jahrhundert, auch 19. Jahrhundert der Missionsgeschichte. Ja, Mission war sehr eng verbunden mit der europäischen Überlegenheit, mit Rassismus, auch mit der westlichen Zivilisation, aber die Zeit ist ja nun vorbei, wirklich. Aber man hat in Korea leider nicht so viel von der Geschichte gelernt. Man hat ja auch eine andere Geschichte. Korea war kein Kolonialland. Ja, natürlich, deshalb meine ich die Mission der Koreanischen Kirche muss viel höflicher sein und respektvoller sein, weil wir keinen Kolonialismus selber verursacht oder ausgeübt haben. Wo sind die Parallelen zwischen dem 16. Jahrhundert der europäischen Missionare - oder dem 19. Jahrhundert - und den Koreanern? Militanz. Die einheimische Kultur und einheimische Religion ignorierend. Exklusiv. Das sind Parallelen. Auch das Geld, Mission kann ja nicht alleine mit Geld betrieben werden, aber jetzt ist Korea ökonomisch an der 11. Stelle der Nationen. Wenn die Mission mit Geld die Menschen abhängig macht - das ist nicht die Mission, die wir von Jesus gelernt haben. Ab und zu sprayt jemand in Korea auf eine Buddhastatue: „Ohne Glaube an Jesus Hölle“. Ab und zu werden in Korea sogar Buddhastatuen zerstört. Korea ist ein interessantes Land, alle Weltreligionen sind vorhanden und haben relativ friedlich miteinander gelebt. Wir hatten keine religiösen Konflikte. Aber wer weiß... Wenn sie sagen es kann Konflikte geben, von wem geht der Unfrieden am ehesten aus? Meistens von den evangelischen Christen, von den Konservativen. Dieses aggressiven Verhältnis zu anderen, zu Buddhisten oder zu Muslimen. Meistens von den, tut mir leid, evangelischen konservativen Christen. So wollte das Luther? Naja, sie berufen sich z.B. als Presbyterianer eher auf Calvin, aber von Calvin haben Sie nicht direkt so viel gelernt. Ab dem 19. Jahrhundert wurde die amerikanische Mission vom Fundamentalismus geprägt, theologisch gesehen, und auch von der Erweckungsbewegung. So ist auch die koreanische Mission heute davon stark geprägt. Erweckung - individuelle Frömmigkeit. Auch das Exklusive, Aggressive kommt aus dieser Tradition. |